
Die heutige Sitzung wurde von Studentinnen dieses Seminars gestaltet.
Der Regisseur, obwohl er sich selbst so nicht zu bezeichnen scheint, über den wir heute mehr erfahren sollten, ist Rene Pollesch.
Er war im jahr 2000 als Hausautor am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg.
Besonderheiten seiner Arbeit sind:
* keine hirarchische Struktur (Bezieht alle am Theater Angestellten mit ein, Maskenbildner, Bühnenbildner und gibt ihnen Raum auf der Bühne und absolutes Mitspracherecht )
* Auf Anschluß sprechen
* Medien Einsatz,Video Projektion; Darsteller filmen sich auf der Bühne gegenseitig
* Sufflöse ist Teil der Inszenierung
* Hohe Text bzw sprech- Geschwindigkeit
* Vermeidung von Figürlichkeit
* Emotionale Variationen nur durch Modulation der Geschwindigkeit und Tonhöhe beim Sprechen
Sein Interesse liegt in Alltäglichen Begebenheiten, er arbeitet nur mit Situationen aus seiner eigenen Lebensrealität
Die Darsteller sprechen sich auf der Bühne mit iheren “richtigen” Namen an, keine Kunstfiguren
Die Inszenierung wird mit den Mitarbeitern gemeinsam entwickelt, jeder ist gleichberechtigt
Hoher grad an Improvisation, keine Vorgaben
Tagesaktuelle Geschehnisse werden eingebunden
Am Tag der Premiere ist das Gesamtkonzept noch immer offen
Pollesch hat ein Nachspielverbot über seine Stücke verhängt
Hier ein paar beispiele Pollesch’s Arbeit:
Ein früher Text der er selbst spricht und sich dabei filmt:
Lob des alten litauischen Regieassistenten im grauen Kittel
René Pollesch “Tal der fliegenden Messer. Ruhrtrilogie Teil 1″
Pollesch by Cáceres
Aus einem Interview von http://nachtkritik-stuecke09.de/index.php/rene-pollesch/sieben-fragen
Sieben Fragen an René Pollesch
“Dialoge gehen nicht”
1. Wie kamen Sie auf die Idee für Ihr Stück “Fantasma”?
Groys & Rois. Dialoge gehen nicht. Wenn Sie in einem Theaterstück sagen, es bringt nichts, immer die gleiche wahre Träne zu weinen, über das Melodram, das Sie sich als Ihr Leben erzählen, und stattdessen für den Fake plädieren, weil er mehr Tränen und mehr Leben generiert, dann sind Sie in diesem Stück der Bösewicht. Wenn Sie sagen, Geld und Liebe, das geht, dann sind Sie in diesem Stück der Zyniker, d.h. Sie werden nicht gehört, Sie werden nur zu einer Figur. Wenn Sie in einem Theaterstück sagen, Sie wollen die Liebe in der Vorstellung, dann haben Sie für die Zuschauer ein Problem. Aber ein kleines. Und eines, das sich wieder legt. Theater kann sich im Dialog nur den kleinen Problemen widmen, oder schlimmer, es verkleinert die Probleme. Das ist die Leistung der Theater, Probleme und Fragen wertlos zu machen. Aber… Martin Wuttke hat das angestoßen… : eine wirklich große Frage, der sich das Theater im Moment widmet, ist, “wie stirbt man?” Und das halte ich in der Tat für ein großes Problem. Es ist eine größere Frage als: “Wie lebt man?”
2. Warum schreiben Sie für das Theater?
Weil das Schreiben da am weitesten weg ist von Literatur, von Geschichten, von allem, was die gelebten Leben aus der Welt schafft, ausgerechnet indem es von ihnen künden will.
3. Was macht für Sie ein gutes Theaterstück aus?
Es wurde noch nie ein gutes Theaterstück geschrieben.
4. Wie wünschen Sie sich den Umgang eines/r Regisseurs/in mit Ihren Stücken?
Siehe 7.
5. Welcher Tätigkeit würden Sie nachgehen, wenn Sie nicht Autor und Regisseur wären?
Ich gehe jeder Menge anderer Tätigkeiten nach.
6. Um welchen Satz beneiden Sie Ihre/n Lieblingsautoren/in?
“Das Abgeschmackteste am Kapitalismus ist, daß alle nur noch Liebe wollen, und keiner will mehr Geld.” Dietmar Dath.
7. Was war Ihr letztes bemerkenswertes Theatererlebnis?
“Die Höhle vor der Stadt in einem Land mit Nazis und Bäumen” Tine Rahel Völcker/Johannes Schmit, “Lenz” von Georg Büchner/Miriam Horwitz.
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