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# twelfth

Forced Entertainment

0902jetlagSpeakBitternessForced Entertainment ist eine britische Künstlergruppe unter der Leitung von Tim Etchells. Sie wurde 1984 in Sheffield gegründet und realisiert Arbeiten Genre-übergreifend in den Bereichen Theater, Installation, Performance, digitale Medien und Film.

Seit Beginn der 1990er Jahre gastieren und produzieren Forced Entertainment regelmäßig auch im deutschsprachigen Raum, vor allem mit ihren Performances und Durational Performances, an Theatern wie der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, dem Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm und dem Tanzquartier Wien. Die Kerngruppe wird teilweise durch zahlreiche Gast-Performer und Mitarbeiter anderer künstlerischer Disziplinen produktionsspezifisch ergänzt. Ästhetisch sind die Theaterarbeiten der Gruppe angesiedelt zwischen Elementen der klassischen Performance einerseits und den Konventionen des klassischen Theaters. Sie zitieren Elemente der Performance, machen sie für ihre dem Theater-Markt und dem Publikum internationaler Theaterfestivals verpflichteten Theater-Arbeiten nutzbar, und beziehen aus diesem programmatischen Kurzschluss ihre häufig auch komische Energie. Ein jüngeres, plakatives Beispiel dieser Auseinandersetzung mit Performance im Theater ist ihre 2005 uraufgeführte Bühnenfassung von Sophie Calles “Exquisite Pain”. Den Aufführungen von Forced Entertainment liegen keine Dramen zugrunde, vielmehr wird die Frage nach dem (Ersatz-)Text für den jeweiligen Abend (wo man sich doch im Theater befindet), stets neu umspielt und zu Exkursen in alternative Entwürfe dessen, was ein Theaterabend behandeln müsste und wie er funktionieren könnte, unternommen. Ein Charakteristikum der Spielweise von Forced Entertainment ist, dass nie durchgehend Rollen verkörpert werden, sondern stets die Performer an sich gezeigt werden in ihren meist kokett-kläglichen Versuchen, oft kleine, undramatische, emblematisch reduzierte Typen zu spielen. So steht nicht nur die Frage nach der Handlung des Abends, sondern auch die nach der Kompetenz dieser “auf die Bühne Geratenen” oft mit im Vordergrund dieser spielerischen postdramatischen Theater-Performances.

(Quelle: Wikipedia)

Im Sommerkleid durch die Hölle

20. November 2009 Schlagwörter: , , ,
Abgelegt unter: Spielart 2009

Es ist ein absurd-komisches Horror-Hörspiel, das die britische Truppe Forced Entertainment beim Spielart-Festival in München live auf die Bühne bringt: Von einer Sekunde auf die andere wird ein junges, intellektuelles Pärchen, Kim und Jackson, aus dem Alltag gerissen. Kim wird angeschossen, die Wohnung konfisziert, die beiden fliehen. Sie geraten von einer bizarren Gefahr in die nächste: Bewaffnete Unbekannte sind hinter ihnen her, also stürzen sie sich in die Kanalisation. Kaum dem Exkremente-See entstiegen, werden sie von Killerinsekten angegriffen – und das ist erst der Anfang. Dass ihnen die Scheiße buchstäblich bis zum Hals steht, nehmen die beiden auf ihre weltfremde Art unglaublich gelassen. Dadurch entwickelt die Story ihre ganz eigene Komik: In den absurdesten Situationen debattieren Kim und Jackson plötzlich darüber, was Ratten wohl denken, oder ob es tatsächlich ein Sternbild namens Rambo gibt.

"Void Story" - Foto: Hugo Glendinning“Void Story” – Foto: Hugo Glendinning

Autor und Regisseur Tim Etchells inszeniert die Geschichte als bebildertes Live-Hörspiel: Zwei Frauen und zwei Männer sitzen rechts und links auf der Bühne des Carl-Orff-Saals im Gasteig an kleinen Tischen mit Leselampen. Sie sprechen alle Rollen in herrlich überzogenem britischen Englisch und spielen dazu Geräusche und Musik ein. Auf einer Leinwand zwischen ihnen läuft der Horror-Trip von Kim und Jackson als rasanter Stummfilm aus verfremdeten Foto-Collagen in Schwarzweiß ab. Die Performance lebt vom Kontrast zwischen der irrwitzigen Geschichte in zerstückelten Bildern und der  Gelassenheit der vier Akteure an den Mikrofonen. Diese sind ein eingespieltes Team: Seit 25 Jahren gibt es Forced Entertainment. Die Gruppe hat das experimentelle Theater in Großbritannien mit begründet. Im Gegensatz zu vielen ihrer Projekte lässt „Void Story“ keinen Raum für Improvisation: Jeder trockene Kommentar, jeder Schrei, jedes Stöhnen und Gurgeln sitzt auf den Punkt genau. Das Zusammenspiel ist routiniert, fast schon zu perfekt. Die Performance ist zwar live, könnte aber ebenso gut als Film ablaufen.

Es erinnert an die Zeichentricksequenzen aus „Monty Python’s Flying Circus“, wie die Hauptfiguren in schnellen Bilderfolgen durch unrealistisch proportionierte Foto-Landschaften stolpern. In kurzem Sommerkleid und bravem Hemd wirken die beiden immer fehl am Platz – aus ihrem gewohnten Leben ausgeschnitten und in den falschen Film eingeklebt. Treffender könnte man bildlich nicht umsetzen, dass die Protagonisten Extremsituationen ausgesetzt sind, die sie nur schwer begreifen können. „I’ve seen movies, I should know, how this works“, klagt Jackson, als er sich alleine durch einen Wald schlagen muss. Doch gerade ihre völlige Ignoranz scheint den beiden zu helfen, ausweglose Situationen zu überstehen. Das lakonisch-gelassene Wegstecken von Knochenbrüchen, Schuss- und Stichverletzungen lässt „Void Story“ wirken wie ein Computerspiel. Level um Level muss durchgestanden werden, egal, was kommt: sei es ein Paartanz-Marathon, die Flucht vor einem lüsternen Geist oder der Kampf gegen aggressive Hundemeuten.  Irgendwann bricht die Reise durch eine düstere Zukunftsvision einfach ab – in den Köpfen der Zuschauer spuken Tim Etchells’ Figuren sicher noch länger herum.

Cornelia Fiedler

# eleventh

She She Pop

Bild 2

She She Pop sind ein Performance-Kollektiv mit sieben Mitgliedern in Berlin und Hamburg, das 1998 aus dem Studiengang der Angewandten Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen hervorgegangen ist. Ihre Performance-Stücke zeichnen sich durch starke Konzepte und originelle Spielstrukturen aus. Ständige Mitglieder sind Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou und Berit Stumpf.

She She Pop thematisiert Voyeurismus, künstlerische Prostitution und zeigt Strategien weiblicher Selbstinszenierung. Ausgangspunkt für die Arbeit von She She Pop ist häufig die Auseinandersetzung mit populären Genres wie der Seifenoper, der Gameshow oder einer Homestory. Regelmäßige Arbeit auf Kampnagel (Hamburg) und im Hebbel am Ufer (Berlin).

(Quelle: Wikipedia)

Warum tanzt ihr nicht?

von She She Pop • Kategorie: Bild & Ton • Ausgabe: 8.1 – Phänomene der Gegenwart – Gegenwart als Phänomen

In keiner anderen Theaterform spielt das Konzept der Gegenwärtigkeit eine solch entscheidende Rolle wie im Improvisations- und Performance-Theater. She She Pop setzen dabei die klassische theatrale Rollenverteilung zwischen Darsteller und Zuschauer außer Kraft und verunmöglichen somit voyeuristische Subjekt-Objekt-Blickverhältnisse, indem der Zuschauer als sichtbarer und aktiver Bestandteil in das Szenario integriert wird. Auch die Zuschauer beobachten sich also gegenseitig, und die Blicke, die die vermeintlichen Zuschauer auf die PerformerInnen werfen, werden von diesen reflektiert, kehren sich dadurch um oder laufen ins Leere. Theater wird so, wie She She Pop konstatieren, zu einem „Probelauf”, zu einer „Teststrecke”, auf der kulturell codierte Spielregeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens wie auch geschlechtliche Zuschreibungen und Normierungen vorgeführt und gleichzeitig hinterfragt werden. Gesprächstechniken und Gesellschaftssysteme werden ausprobiert, große Gesten einstudiert und wieder verworfen und nicht zuletzt Geschlechtsidentitäten dynamisiert. Alle Beteiligten bringen in diese (un)freiwillige Gemeinschaft im jeweiligen Augenblick des Aufeinandertreffens einen Teil ihrer selbst und somit ihrer eigenen Freiheit ein, wodurch diese künstliche Gemeinschaft zur ästhetischen Form wird. Die Zuschauer werden während eines Abends mit She She Pop permanent dazu aufgerufen, Entscheidungen zu treffen, für diese einzustehen und mit den Reaktionen darauf umzugehen. Genau wie das Ensemble spielen die Zuschauer eine (selbst-)darstellerische Rolle: Wie das Stück, die Instant-Biographien der PerformerInnen und der gesamte Abend sich entwickeln, ist demzufolge stets unterschiedlich und unvorhersagbar – die Zuschauer werden zum Schicksal und Risiko für die PerformerInnen. Gerade dieses fragile Konstrukt lässt im Moment der Begegnung dieser beiden ‘unkalkulierbaren Größen’ aber auch ein wechselseitiges Prinzip der Anerkennung und Verantwortung füreinander wirksam werden. Theater, hier verstanden als ästhetische Form, die einen neuen ethischen Anspruch in sich trägt fernab von der althergebrachten Idee einer ‚moralischen Anstalt’.

schauinsblau.de führte ein Interview mit She She Pop:

Schau ins Blau: Gegenwart, was bedeutet das für Sie und Ihre Arbeit?

She She Pop: Als PerformancekünstlerInnen betonen wir das Akute der Aufführungssituation. Auf der Bühne stellen wir uns eine Aufgabe und erfüllen sie Abend für Abend neu.  So gesehen ähnelt unsere Situation eher der von TeilnehmerInnen einer Castingshow als der von RollendarstellerInnen: Zwar gehen wir vorbereitet auf die Bühne, doch müssen wir immer mit dem Zufall rechnen. Jedes Mal reagiert das Publikum unterschiedlich, gibt neue Antworten und stellt uns damit vor neue Herausforderungen. Es entsteht ein Handlungsablauf, der im Hier und Jetzt gelöst werden muss. Einen Dialog mit einem Mitglied des Publikums kann man nicht einstudieren.

Schau ins Blau: Ihre Stücke haben also einen starken Bezug zur Momenthaftigkeit?

She She Pop: Genau, es geht uns um die gemeinsame Anwesenheit von DarstellerInnen und ZuschauerInnen im Raum. Wir versuchen, einen Moment herzustellen, der ein Moment der Entscheidung ist. Beide Seiten, wir und das Publikum, teilen die gleiche Zeit. Alle befinden sich in derselben Situation, alle übernehmen Aufgaben. In klassischen Theaterstücken herrscht oft auf der Bühne eine andere Zeit als im Zuschauerraum. Wir dagegen fordern das Publikum auf, die Situation eins zu eins zu nehmen. Dabei soll es sich selbst auch als ZuschauerInnen begreifen. Das Publikum bildet in dem akuten Moment mit den DarstellerInnen eine Gemeinschaft – eine Zwangsgemeinschaft, aus der es kein allzu leichtes Entrinnen gibt. Man sieht sich gegenseitig in der Situation und erkennt sich an.

Schau ins Blau: Oft kommt es einem vor, als wollten Sie die Zuschauer auffordern, sich selbst und Ihnen als Person zu begegnen. Erhoffen Sie sich davon einen kathartischen Effekt?

She She Pop: Der Zuschauer wird stark mit sich selbst konfrontiert. Was soll er sagen, wenn er angesprochen wird? Er muss sich überlegen, warum er ja oder warum er nein sagt. Das Publikum wird von uns in eine Situation hineingeworfen, deren Regeln es sich erst erschließen muss. Gleichzeitig wählen wir als KünstlerInnen immer Situationen, die bereits stark kulturell geprägt sind. Erinnerungen und Erfahrungen sollen geweckt werden. Wir geben damit die Möglichkeit, sich in bekannten Szenen einmal ganz anders zu verhalten und etwas Neues auszuprobieren.

Schau ins Blau: Bei She She Pop spielen sowohl die DarstellerInnen miteinander als auch die DarstellerInnen mit den ZuschauerInnen. Sehen Sie darin das Prinzip der multiplen Autorenschaft verwirklicht?

She She Pop: Eigentlich hätten wir als KünstlerInnen die Freiheit, alles perfekt zu gestalten. Einen Teil dieser Freiheit geben wir zugunsten der ZuschauerInnen auf. Zusammen mit dem Publikum bilden wir stattdessen ein dilettierendes Kollektiv. Jeder nimmt darin seine die sich ihm bietenden Möglichkeiten wahr und gibt sein Bestes. Daraus kann nie eine so perfekte Welt entstehen, wie aus der Hand nur eines Regisseurs, der seine persönliche Perspektive durchsetzt. Viele sagen, Gleichberechtigung zwischen Publikum und Performancekünstlern auf der Bühne sei eine Illusion. Der Darsteller sei dem Zuschauer immer einen Schritt voraus und benutze ihn nur als Cue-Geber für geplante Aktionen. Die Gefahr besteht. Wenn man sie sich bewusst macht, dann lässt sie sich vermeiden. Oder man macht die in der Aufführungssituation herrschenden Machtverhältnisse sichtbar, das kann auch spannend sein. Wirklich unhierarchisch  wird eine Aufführung nie sein, aber sie kann den Zuschauer diskursiv einbinden.

Schau ins Blau: Welche Rolle kommt  Ihnen als PerformancekünstlerInnen dabei zu?

She She Pop: „In unserer Vorbereitung für eine Performance entwickeln wir eine bestimmte Fragestellung. Davon ausgehend entwickelt jedeR PerformerIn für sich einen Selbstentwurf bzw. ein Idealbild von sich selbst in einer bestimmten Situation. Damit konfrontieren wir die  ZuschauerInnen. Im Zusammenspiel mit ihnen muss sich dieser Selbstentwurf Abend für Abend neu behaupten und an die akute Spielsituation angeglichen werden. Die ZuschauerInnen, die sich dazu verhalten, werden Teil von diesem Entwurf. Wir nennen das eine Instantbiographie. Letztlich werden die Figuren also über den Abend zusammen mit den ZuschauerInnen, unseren CoautorInnen, konstruiert. Unsere Aufgabe ist es, etwas mit all den neuen Zuschreibungen vor den Augen des Publikums zu machen.

Schau ins Blau: Die ZuschauerInnen und Sie sehen sich gegenseitig. Unter Umständen ist das für beide Seiten unangenehm. Wollen Sie so die voyeuristischen Blicke, welche häufig auf Frauen ruhen, widerspiegeln?

She She Pop: In einer unserer ersten Performances standen wir zu acht Frauen auf einem Laufsteg. Da wurde uns erst klar, dass vergleichende Blicke auf Frauen immer vorhanden sind, und wir haben begonnen, uns damit zu beschäftigen. Wenn wir jetzt den Raum für ein neues Stück entwerfen, spielen ungewöhnliche Blickkonstellationen und Perspektiven dabei eine große Rolle. In der konventionellen Theatersituation blickt der Zuschauer machtvoll auf die Bühne während sich der Schauspieler ausstellt. Wir versuchen, daraus etwas Neues entstehen zu lassen. Wir fragen uns dann, wie sich das umkehren lässt. Auch das Publikum soll aufeinander blicken. Einen rein konsumierenden Blick lassen wir nicht zu. Entweder wir werfen ihn zurück, oder wir verändern die ganze Situation.

Schau ins Blau: Sie stellen oft sehr intime Glücksmomente und Rituale dar und machen sie damit öffentlich. Indem der Zuschauer diesen Momenten zusieht, entlarvt er sie. Wollen sie damit Melancholie erzeugen?

She She Pop: Unsere Stücke enthalten einen Moment der Demaskierung, einen utopischen Moment des Zusammenkommens. So etwa am Ende von „Warum tanzt ihr nicht?”. Oft handeln sie von Glück, persönlichen Krisen oder von einer Idee, wie das Leben sein sollte. Wenn man all das sichtbar macht, erfährt man erst, was wirklich möglich ist. Wenn die Illusion jedoch nur als Illusion ausgestellt wird, bleibt es bei der Melancholie. Wir wollen die Grenzüberschreitungen offenlegen. Deshalb ist der akute Moment auch so wichtig: Er ermöglicht, sich verschieden zu verhalten.

Schau ins Blau: Gegründet wurde She She Pop als reine Frauengruppe. Mittlerweile gehört auch ein Mann zum Ensemble. Befinden wir uns also schon im Postfeminismus?

She She Pop: Den Geschlechterkampf haben wir noch lange nicht hinter uns gelassen. Die alten Machtfragen und finanziellen Fragen sind immer noch aktuell. Trotzdem haben sich die Frauengruppen aus den 60er und 70er Jahren, denen es um Ausschluss ging, überholt. Unser männliches Mitglied sagt selbst, dass er Teil einer Frauengruppe ist. Eine männliche Position in einem weiblich dominierten Kollektiv – für uns ist das eine feministische Position. Zu Beginn war es für alle, für ihn wie für uns, nicht leicht, ihn zu integrieren. Steht ein Mann mit mehreren Frauen auf der Bühne, konzentriert man sich leicht auf ihn und schaut, wie sich die Frauen zu ihm positionieren. So waren plötzlich (Geschlechter-)Klischees auf der Bühne, mit denen wir uns zuvor noch nicht auseinandersetzen mussten. Ob es sich um Kostüme oder die Interaktion mit den Kolleginnen oder mit dem Publikum handelt: Für ihn gelten immer andere Regeln.

Schau ins Blau: Sie nehmen somit den Mann als Mann wahr und stellen ihn dementsprechend aus. Können wir von einer klaren homosexuellen Konstellation in der Gruppe ausgehen?

She She Pop: Nein, überhaupt nicht. Zwar ist unser männliches Ensemblemitglied kein Crossdresser. Er bleibt sozusagen äußerlich intakt. Trotzdem weichen wir bestimmte Attribute auf.

Shau ins Blau: Also das authentische Geschlecht, egal wie es aussieht?

She She Pop: Je nach Konfrontation mit den ZuschauerInnen kann die eigene Position thematisiert und variiert werden. Je nachdem, wie der Abend verläuft wird eine unterschiedliche Geschichte erzählt. Das ändert zwar nicht viel am eigenen Geschlecht, es macht jedoch einen Unterschied, ob man am Ende der Ballinszenierung mit einem Mann, einer Frau oder allein zurückbleibt.

Schau ins Blau: Ihr neues Stück „Familienalbum” handelt von der Familie als sinnstiftender Instanz. Folgen Sie damit dem Trend in der Kulturszene, sich auf existenzielle Themen zu konzentrieren?

She She Pop: Als wir vor zwei Jahren mit der Konzeption begonnenen haben, wurde in den Medien die Akademikerinnendebatte geführt. Angeblich bekommen studierte Frauen in Deutschland ja zu wenige Kinder. Da wir uns von dem Thema selbst betroffen sahen, haben wir begonnen, uns damit auseinanderzusetzen. Auf diesem Weg beginnen die meisten Ideen: Wir finden einen gesellschaftlich geprägten Diskurs, der uns intuitiv anspricht und Wut erzeugt. Anschließend diskutieren wir dann die Fragestellung in der Gruppe, betrachten sie aus unterschiedlichen Perspektiven, sodass  jeder etwas für sich daraus entwickeln kann. Die Frage nach Werten ist schließlich immer eine Verhandlung.

[Agnes Bidmon, Stephanie Waldow]

Bilder aus der Sitzung:


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She She Pop sind ein Performance-Kollektiv mit sieben Mitgliedern in Berlin und Hamburg, das 1998 aus dem Studiengang der Angewandten Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen hervorgegangen ist. Ihre Performance-Stücke zeichnen sich durch st

# seventh

Gast Olav Herold

# tenth

Rimini Protokoll

Rimini Protokoll
Rimini Protokoll ist der Name, unter dem Helgard Haug (* 1969), Stefan Kaegi (* 1972) und Daniel Wetzel (* 1969) ihre Theater-, Performance- und Hörspiel-Projekte ankündigen und realisieren

Aus dem offiziellen Wikipedia Artikel:
Downloadbarer pdf Link: Rimini Protokoll

Großartiger Filmtrailer bei youtube

In der letzten Übung wurden wir aufgefordert etwas, eine Alltagssituation, etwas das aus unserer Vita stammt, in einem Dialog mit uns selbst als Fünfjähriger Person oder als achtzig Jährige oder mit unsere virtuellen Präsenz, unserm Avatar, zu inszenieren.

Ich habe mich für meinen Avatar entschieden. Ich bewege Sie durch den virtuellen Raum, fühle mich meisstens sehr distanziert, versuche mir im darüber im Klaren zu sein, dass Margarethe Seuss eine Kunstfigur, von mir erschaffen, meine Repräsentation im Netz, nichts mit mir zu tun hat. Das stimmt natürlich nicht. Ich verbringe viel Zeit mit ihr, habe sie liebevoll gestaltet, versucht sie mir ähnlich zu machen ( auch wenn sie mehr mein Innerstes repräsentiert als mein Äusseres). Sie spricht meine verschriftlichten Gedanken für mich aus, sie ist was sie ist, einer leer Hülle, in die ich schlüpfe, die durch mich existiert und lebt. Ich war zum ersten mal Sie. Ich meine wirklich Sie. Ich habe sie versucht zu imitieren, ihre begrenzten Bewegungen nachzuahmen, mich zu fühlen, wie sie sich fühlen muß. Eine überaus interessante Erfahrung.

maggie

Hier mal wieder einige Fotos aus der Sitzug:

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# ninth

Barbara Weber

Barbara-Weber

Barbara Weber – Theater Neumarkt Zürich, Co-Direktorin

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2009, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Meine Lieblingsproduktion des letzten Jahres ist Unsterblichkeit kann töten Sterben lernen! (Herr Andersen stirbt in 60 Minuten), eine Versuchsanordnung von Christoph Schlingensief und anderen. Das Stück ist eine faszinierende, verstörende Auseinandersetzung mit Sterblichkeit, Unsterblichkeit und der bedrohlichen Krankheit von Christoph Schlingensief selber. Beeindruckend war neben der Inszenierung auch die unübliche Zusammenarbeit zweier unabhängiger Theater in derselben Stadt – in Zürich.

Der erste Teil der Performance fand am Theater Neumarkt statt – ein überdrehtes Ibsensches Kammerspiel – und wanderte dann als Prozession, begleitet von einem 35-köpfigen Chor zum Kunsthaus Zürich, wo Performance-artig in einem gläsernen Durchgang Herr Andersen unter Chorgesang das öffentliche Sterben übte. Darauf stürmte Christoph Schlingensief himself als Papst Mabuse die Bühne des Zürcher Schauspielhauses und landete mitten in der laufenden Vorstellung von Rene Pollesch’ “Calvinismus Klein” zwischen den Darstellern Carolin Conrad und Martin Wuttke. Die beiden Polleschschauspieler kehrten darauf mit Schlingensief, dem Publikum und den Prozessionsteilnehmern in das Theater Neumarkt zurück. Dort konnte Herr Andersen vor dem unsterblichen Hintergrund des Parzifalsoundtrack dann endlich sterben. Es war ein ungewöhnlicher, radikaler, ereignishafter Abend. Solche Experimente sollten öfters stattfinden können im Theater.

Hier einige Impressionen vom Warm up und der anschließenden Einarbeitung in die Arbeitsweisen Webers.

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Tanger unplugged, Barbara Weber

# eighthly

Showcase beat le mot auf Kampnagel mit dem Stück Peterchens Mondfahrt

Peterchens Mondfahrt PosterLiebe Kinder, liebe Käfer, sehr geehrte Damen und Herren!
Wenn das Christkind, der Nikolaus, das Sandmännchen und der Osterhase am gleichen Tag kommen, dann wird es Zeit, das eigene Leben zu überdenken.
Kurz vor WK I schrieb der preußische Offizier außer Diensten Gerdt von Bassewitz die Geschichte vom Maikäfer Sumsemann, der zusammen mit den Kindern Peterchen und Anneliese zum Mond fliegt, um sein sechstes Beinchen zurückzuholen, das ihm der böse Mondmann gestohlen hat. Dabei begegnen sie allen Protagonisten kindlicher Wunschphantasien, werden von den Naturgewalten Donner, Blitz, Wasser, Sturm und Eis geprüft, aus einer Kanone abgeschossen, mit Süßigkeiten vollgestopft und am Ende beinahe selbst verspeist.
Nachdem wir uns durch ein gutes Dutzend grauenvoller Bearbeitungen
wohlmeinender Diplomerzieher gefressen hatten wie durch die Pfannkuchenwand am Eingang zum Schlaraffenland, fanden wir endlich in der vergammelten Toilette eines Vorstadtantiquariats einige vergilbte Seiten der Originalfassung, die sich seit ihrer Uraufführung im Jahr 1912 niemand mehr zu spielen traut.

Wir schon.

Artikel aus der INTR über Schowcase beat le Mot:

Ring of Fire

Seien wir ehrlich: in einem Umfeld, in dem ein Magazin wie INTRO stattfindet, ist das Theater ein marginaler Ort.

Seit den eher faden Initialerlebnissen zu Schulzeiten rangiert es heute bei den meisten hier Beteiligten nur in der mittelbaren Interessenperipherie. Selbst wer von den gröbsten Traurigkeiten des provinziellen Stadttheaters verschont wurde und von Zeit zu Zeit Stücke an sogenannten progressiven Bühnen sehen konnte, erlebte dort einen Raum, in dem nicht mal Flüstern erlaubt ist und sich die Akteure nach vollbrachter Arbeit albern an den Händen halten. Insgesamt schlechte Argumente auf die Frage, warum Theater in unserem Leben etwa so wichtig wie ein Konzert von Sleater-Kinney sein sollte. Offensichtlich spürt aber auch das Theater seit einigen Jahren die Notwendigkeit einer Veränderung. Wie nicht anders zu erwarten, setzt man dabei auf die wohlerprobte Zauberkategorie mit den drei Buchstaben: Pop. Nach den Drum’n'Bass-infizierten Trailern im Vorabendprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender und dem matt-silbernen Glamour des letzten Bundestagswahlkampfes läßt das Theater als letztes Genre populäre Kultur auf sein hochkulturelles Terrain. Titel wie ‘Trainspotting’ oder ‘American Psycho’ schleichen sich in die Spielpläne, unterfüttert von entsprechenden Podiumsveranstaltungen. Pop dient dabei gleichzeitig als ökonomisches Versprechen eines starken Marktes sowie als symbolisches Versprechen, das Rebellion und Freiheit garantieren möchte. Ob diese strategisch angelegte Frischzellenkur letztendlich besonders gut funktioniert, daran zweifelt das Theaterkollektiv Showcase Beat Le Mot. Mit der aktuellen Arbeit ‘Grand Slam’ besteht man auf eine eigene Option theatralen Handelns – ohne auf Pop als Alltagserfahrung und subversive Praxis zu verzichten.

Nichts ist egal

Zusammengefunden hat sich die fünfköpfige Gruppe am Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft. Dem amerikanischen Prinzip einer gleichen Gewichtung von Theorie und Praxis folgend, wurde dort der Studiengang ‘Drama-Theater-Medien’ konzipiert. Die Inhalte reichen von Dramaturgie, Lichttechnik, Tontechnik bis hin zu Atemübungen, so daß am Ende der universitären Karriere nicht selten der Prototyp des hochspezialisierten Alleskönners steht. Vor diesem Hintergrund behilft sich die Presse gegenwärtig bei ihrer Kategorienbildung mit dem gleichen akademischen Ursprung verschiedener Theaterprojekte. Das Ganze heißt dann ‘Neue Gießener Schule’ und meint neben SCBLM zumeist Stefan Pucher sowie die Gruppen Gob Squad und She She Pop. ‘Eine richtige Schule gibt es aber nicht. Ich glaube, daß jede Gruppe ihre eigene Schule ist. Es gibt vielleicht ähnliche Sichtweisen, da wir alle das gleiche Theater gesehen und uns an ähnlichen Diskussionen beteiligt haben. Außerdem teilten alle die gleiche Probebühne. Aber die Arbeitsweisen, die sich daraus entwickelt haben, sind verschieden.’
1998 präsentierten SCBLM auf dem ‘Junge Hunde Festival’ in Hamburg ihr über drei Stunden dauerndes Stück ‘Radar Radar’, ein Konglomerat aus Performance, Videoprojektionen, anekdotischem Erzählen und Fußball. Ein Jahr später führt ‘Grand Slam’ seine Zuschauer wieder in eine ehemalige Fabrikhalle des Theatergeländes ‘Kampnagel’. Wieder vollzieht die Gruppe ihren unprätentiösen Abschied von einem Theater, das sie nicht interessiert, und wieder verzichtet man ohne große Geste auf Dramaturgie und vorgegebenen Text. Statt dessen ist die Bühne ein Tenniscourt in Originalmaßen. Das rhythmische Ploppen der Bälle wird über die Lautsprecher übertragen, auf dem Spielfeld steht anstelle der Spieler aber nur eine Ballmaschine, von der gesagt wird, daß sie mit Worten spuckt. Beat Le Mot heißt also vor allem: lege einen Beat unter das Wort. Und als ob das alles nicht schon toll genug wäre, taucht im nächsten Moment die Halle in ein mattes Schwarzlicht, bis nur noch die Linienmarkierung neongelb leuchtet. Welcome to the pleasuredome.

Pop ist keine Verjüngungskur

Natürlich ist Theatertext bei SCBLM in vielen Momenten Poptext. Die Plattenteller drehen sich, beladen mit einem Haufen von Geschichte zwischen Oval, Johnny Cash, Brüllen und eleganten House-Beats. Bearbeitet werden Burroughs und Deleuze; immer wieder verwendet das Kollektiv mediale Oberflächen. Ein elementarer Unterschied zu vielen anderen Produktionen, die in der laufenden Spielzeit die bedeutungsschwangere Leerstelle Pop für sich entdeckt haben, ist aber die Tatsache, daß das Material bei SCBLM nie zur bloßen Garnierung verkommt, sondern jedes Sample einen Knochensplitter der Substanz bildet. ‘Die meisten Regisseure nehmen nur Details von Pop heraus, und die erstarren dann im Theater sofort. [...] Für uns ist Theater eine Mattscheibe, auf der das stattfindet, was wir aus ganz anderen Bereichen hereintragen. Und das ist der einzige Sinn, warum man unser Theater unter Umständen Pop-Theater nennen kann. Es ist eine Sprache, die jemand gefunden hat, die seine Gegenwart beschreibt.’ Aufgrund der Mißachtung dieser methodischen Differenz kam es in der Tagespresse zu dem Mißverständnis, daß das Theater von SCBLM als Preis für seinen Style jegliche Vehemenz aufgeben mußte. Die Rede war von einem richtungslosen Spaß: Theater, das nichts will. In Wahrheit liegen die Dinge jedoch genau umgekehrt. Man könnte sagen, SCBLM funktionieren über eine Art des freundlichen Anbietens harter Themen. Während das letzte Stück Abhörtechniken erläuterte und Desinformationstaktiken integrierte, ist die locker gefaßte Klammer bei ‘Grand Slam’ die dialektische Verknüpfung von Arbeit und Massensport. Sportarten, so suggeriert ein sich diskontinuierlich entrollender Subtext, sind in ihrer Popularität immer gesellschaftlich. Sie spiegeln und produzieren Körperbilder genauso wie soziale Übereinkünfte.
Verschiebt man die Perspektive letztendlich von der Inhaltsebene auf die Form des Theaters, sind die Stücke von SCBLM außerdem Angriffe auf eine Anordnung als solche: eine architektonisch getragene Theater-Anordnung, die seine Betrachter auf Positionen und Verhaltensweisen festschreibt. Statt einen ritualisierten Raum durch das Foyer zu betreten, auf eine schwarze Bühne zu schauen, auf der langsam das Licht angeht, gilt als Idealzustand eine Fluktuation. Das Publikum soll sich nach Möglichkeit zu dem Raum verhalten: ‘Die Situation wird eskalieren, bis schließlich alles Bühne ist.’

Rene Pollesch

pollesch

Die heutige Sitzung wurde von Studentinnen dieses Seminars gestaltet.

Der Regisseur, obwohl er sich selbst so nicht zu bezeichnen scheint, über den wir heute mehr erfahren sollten, ist Rene Pollesch.

Er war im jahr 2000 als Hausautor am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg.

Besonderheiten seiner Arbeit sind:

* keine hirarchische Struktur (Bezieht alle am Theater  Angestellten mit ein, Maskenbildner, Bühnenbildner und gibt ihnen Raum auf der Bühne und absolutes Mitspracherecht )

* Auf Anschluß sprechen

* Medien Einsatz,Video Projektion; Darsteller filmen sich auf der Bühne gegenseitig

* Sufflöse ist Teil der Inszenierung

* Hohe Text bzw sprech-  Geschwindigkeit

* Vermeidung von Figürlichkeit

* Emotionale Variationen nur durch Modulation der Geschwindigkeit und Tonhöhe beim Sprechen

Sein Interesse liegt in Alltäglichen Begebenheiten, er arbeitet nur mit Situationen aus seiner eigenen Lebensrealität

Die Darsteller sprechen sich auf der Bühne mit iheren “richtigen” Namen an, keine Kunstfiguren

Die Inszenierung wird mit den Mitarbeitern gemeinsam entwickelt, jeder ist gleichberechtigt

Hoher grad an Improvisation, keine Vorgaben

Tagesaktuelle Geschehnisse werden eingebunden

Am Tag der Premiere ist das Gesamtkonzept noch immer offen

Pollesch hat ein Nachspielverbot über seine Stücke verhängt

Hier ein paar beispiele Pollesch’s Arbeit:

Ein früher Text der er selbst spricht und sich dabei filmt:

Lob des alten litauischen Regieassistenten im grauen Kittel

René Pollesch “Tal der fliegenden Messer. Ruhrtrilogie Teil 1″

Pollesch by Cáceres

Aus einem Interview von http://nachtkritik-stuecke09.de/index.php/rene-pollesch/sieben-fragen

Sieben Fragen an René Pollesch

“Dialoge gehen nicht”

1. Wie kamen Sie auf die Idee für Ihr Stück “Fantasma”?

Groys & Rois. Dialoge gehen nicht. Wenn Sie in einem Theaterstück sagen, es bringt nichts, immer die gleiche wahre Träne zu weinen, über das Melodram, das Sie sich als Ihr Leben erzählen, und stattdessen für den Fake plädieren, weil er mehr Tränen und mehr Leben generiert, dann sind Sie in diesem Stück der Bösewicht. Wenn Sie sagen, Geld und Liebe, das geht, dann sind Sie in diesem Stück der Zyniker, d.h. Sie werden nicht gehört, Sie werden nur zu einer Figur. Wenn Sie in einem Theaterstück sagen, Sie wollen die Liebe in der Vorstellung, dann haben Sie für die Zuschauer ein Problem. Aber ein kleines. Und eines, das sich wieder legt. Theater kann sich im Dialog nur den kleinen Problemen widmen, oder schlimmer, es verkleinert die Probleme. Das ist die Leistung der Theater, Probleme und Fragen wertlos zu machen. Aber… Martin Wuttke hat das angestoßen… : eine wirklich große Frage, der sich das Theater im Moment widmet, ist, “wie stirbt man?” Und das halte ich in der Tat für ein großes Problem. Es ist eine größere Frage als: “Wie lebt man?”

2. Warum schreiben Sie für das Theater?

Weil das Schreiben da am weitesten weg ist von Literatur, von Geschichten, von allem, was die gelebten Leben aus der Welt schafft, ausgerechnet indem es von ihnen künden will.

3. Was macht für Sie ein gutes Theaterstück aus?

Es wurde noch nie ein gutes Theaterstück geschrieben.

4. Wie wünschen Sie sich den Umgang eines/r Regisseurs/in mit Ihren Stücken?

Siehe 7.

5. Welcher Tätigkeit würden Sie nachgehen, wenn Sie nicht Autor und Regisseur wären?

Ich gehe jeder Menge anderer Tätigkeiten nach.

6. Um welchen Satz beneiden Sie Ihre/n Lieblingsautoren/in?

“Das Abgeschmackteste am Kapitalismus ist, daß alle nur noch Liebe wollen, und keiner will mehr Geld.” Dietmar Dath.

7. Was war Ihr letztes bemerkenswertes Theatererlebnis?

“Die Höhle vor der Stadt in einem Land mit Nazis und Bäumen” Tine Rahel Völcker/Johannes Schmit, “Lenz” von Georg Büchner/Miriam Horwitz.

# sixth

Toll heute neue Fotos!!

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Verletzungsbedingt konnte ich leider am praktischen Teil unserer heutigen Sitzung nicht teilnehmen, aber dafür sind mir hoffentlich ein paar ganz gute Schnappschüsse geglückt.

# fifth

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# fourth

Heute haben wir uns Falk Richter aktiv genähert:

(unten gibts einen Regler um durch die horizontale Bildstrecke zu navigieren))

Die Fotos einzeln und in groß gibts HIER
schatten
impressive
anonymisiert

Beginnend mit einem Warm up, der sich in vier einleitenden Übungen teilte, bereiteten wir uns auf die später folgenden, mehr in die Tiefen des Falk Richters gehenden Übungen vor.

Bei den folgenden Übungen läuft die Gruppe  im Raum umher. In alle möglichen Richtungen und Geschwindigkeiten.

1. Jeder begrüßt Jeden dem er/sie begenet

2. Man begrüßt sich so, als hätte man sich die letzten 10 Jahre nicht mehr gesehen

3. Virginia gibt eine Choreographie vor

4. Die Gruppe geht kreuz und quer durch den Raum, bis eine/r stehen bleibt und setzt sich auf das Signal eines/r Einzelnen wieder in Bewegung

Im Anschluß folgen zwei Übungen zur Annäherung, zuerste versucht jede/r in einer bestimmten Zeit soviele Köpfe wie möglich zu berühren, danach in der Folgerunde versucht Jede/r soviele Ohrläppchen wie möglich zu erhaschen.

Gruppenübungen

Es gibt die >Vorgabe< nur zu sitzen, stehen, liegen oder zu gehen; sprechen oder gespielter Ausdruck sind nicht vorgesehen. Den Teilnehmern steht es frei zu interagieren oder zu ignorieren.

(Interessanterweise füllt sich das Gesehene sofort mit mit inhaltlichem Sinn, mein Gehirn überbrückt die Lücken und zwingt mich einen Sinn zu finden, ich scheine zu verstehen was nicht zu verstehen ist.)

Synchronizität die aufgelöst wird

Beziehungsbilder entstehen

Wie auf Fotos

(mir fällt sofort eine Parallele zu Second Life auf, die Personen bewegen sich anonymisiert wie durch die künstliche Welt, es entstehen zufällige Beziehungen und brechen genauso schnell wieder zusammen, alle sind anwesend aber zugleich auch nicht, Jeder ist auf der Suche, aber nach was?)

secondlife-obama

Die nächste Übung funktioniert mit reduzierter Sprache:

folgende >Bausteine< laden zum experimentieren ein

Lautstärke steigern

flüstern

Betonungen ändern

über den Berg rufen

Pausen zwischen den Wörtern

Wort für Wort

Nach dem ausgiebigen Erproben der neuen Methoden, teilte sich die Gruppe in Zuschauer und 4er Gruppen, die auf der Bühne mit diesen Methoden spielen; um noch tiefer in die Arbeit Falk Richters einzusteigen verteilt Virginia Textfragmente, bzw. Sätze aus unterschiedlichen Stücken Richters. In der 2. Runde wird die Probe noch durch das Einspielen der Musik Richters intensiviert.

Schlagworte aus der anschliessenden Diskussion im Plenum:

* Je nachdem mit welcher Technik die Sätze wiedergegeben werden ändert sich der Sinn/Bezug/Bedeutung/Ausdruck

* Die zugespielte Musik läßt eine Kälte spühren

* Man hat das Gefühl als fände irgendwo-irgendetwas statt

* Anonymität vermittelt sich

* Man hat das Gefühl als fände etwas gleichzeitig an verschiedenen Orten und Zeiten statt, obwohl Alle geleichzeitig auf einer Bühne stehen

* Die Sprache überschneidet sich keiner hört dem anderen zu

* Man bekommt einen Eindruck von Richters Umgang mit Sprache als Instrument, seinem formalen und experimentellen Umgang

* Es entstehen Kaleidoskop -artige Miniszenen

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